Laser-Werkstatt China

© Foto | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT, Aachen

"Wo viel hergestellt wird, braucht man viele Laser und Lasersysteme. Gegenwärtig und auch in Zukunft ist das immer öfter in China der Fall“, sagt Günther Weinmann, General Manager Lasertechnologie von TRUMPF China.

Die Meldung „China erwirtschaftet 30 Prozent aller weltweiten Güter“ hätte 1812 in der Zeitung stehen können. Die Zeitungen von 2012 dagegen melden einen Anteil Chinas an der globalen Wirtschaft von „nur“ zehn Prozent. Daran erkennt man: Chinas rasantes wirtschaftliches Wachstum ist eigentlich die Rückkehr zu alter Größe. Und der Aufschwung hat immer noch riesiges Potenzial nach oben.

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Automobilindustrie

Was auch immer im Rest der Welt passiert, der chinesische Automobilmarkt wächst. Ausländische Hersteller produzieren daher zunehmend in China selbst und bringen dabei auch Laserverfahren mit.

Was wird schon gemacht? Übersicht über in China etablierte Laser-Anwendungen.

Stahlproduktion

China füttert den Weltmarkt mit Stahl, entsprechend rüstet die dortige Stahlindustrie auf – auch mit Laserprozessen wie dem Verschweißen von Warmband-Coils am Eingang zur Kaltbandstraße.

Coilschweißanlage im Bau bei der Hugo Miebach GmbH in Dortmund. 

Kleinbetriebe und Mittelstand

Wachstum in die Breite: Rings um die Industriezentren blühen große und zunehmend kleinere Auftragsfertiger – bishin zu buchstäblichen Garagenbetrieben.

Arbeit in einem typischen Garagenbetrieb in Shanghai.

Umstellung auf Laser

Eine weitere Entwicklung aus den alten Industrieländern nimmt in China Fahrt auf: Laserorientierte Konstruktion, bei denen Produkte neu gestaltet werden, um produktivere Laserverfahren einsetzen zu können.

Oben: Hainan Jinpan Electric Co., Ltd (JST) konstruierte die Gehäuse für Mittelspannungs-Schaltanlagen so um, dass ein Laserprozess das bisherige Verfahren ablösen konnte. Unten: Mittlepunkt ist die moderne TruLaser Cell 7040.

Hightech-Produkte

China ist die Werkstatt der Welt – das gilt auch für viele Branchen, deren Produkte sich ohne Lasertechnik kaum noch herstellen lassen.

Das hohe chinesische Wirtschaftswachstum stärkt die Nachfrage nach Industrielasern. Denn es ist vor allem die fertigende Industrie, die boomt. China ist die Werkbank der Welt: Stahlerzeugung und Blechbearbeitung, Automobile, Elektroartikel und vieles mehr – alles Branchen, in denen Laser-Materialbearbeitung eine Rolle spielt. TRUMPF zum Beispiel erwirtschaftet acht Prozent des Gesamtumsatzes in China; im vergangenen Geschäftsjahr waren das 170 Millionen Euro. Laserquellen und Lasersysteme haben daran einen Anteil von rund Zweidritteln.

Weltkonzerne und Garagenbetriebe

Anwendungsgebiete gibt es viele: In der Stahlherstellung zum Beispiel verschweißt der Laser die Warmband-Coils, bevor der Stahl durch das Kaltwalzwerk auf Endmaß gewalzt wird. Eine wichtige Branche, denn fast die Hälfte des weltweit produzierten Rohstahls stammt heute aus chinesischen Stahlwerken.

Nicht nur deswegen ist die Blechbearbeitung in China ein interessanter Markt für Lasermaschinen. Hier gibt es eine steigende Nachfrage nach umfassender Blechbearbeitung, die neben Biegemaschinen und Stanzmaschinen auch Laserschneiden und neuerdings auch Laserschweißen umfassen.

Bei den Kunden handelt es nicht mehr nur um chinesische Staatsunternehmen oder ausländische Firmen, die Lasermaschinen für ihre Produktionsstandorte in China kaufen, wie das vor mehren Jahren noch der Fall war. Inzwischen investiert  auch der private, chinesische Mittelstand massiv ins Lasergeschäft. Eine chinesische Eigenheit sind dabei auch kleine Garagenbetriebe.

Hoher Absatz, unabhängig vom Weltmarkt

Einer der größten Märkte für Laserquellen und 3-D-Bearbeitung ist  nach wie vor die Automobilindustrie: Egal wie sich der Weltmarkt für Fahrzeuge woanders zeigt, die Absatzzahlen in China steigen stetig. Audi verkauft in China mehr Autos als in Deutschland; der Absatz von Mercedes-Benz stieg dort 2011 um 20 Prozent. Nicht zuletzt darum produzieren Autohersteller und Zulieferer direkt vor Ort, damit der chinesische und asiatische Markt ohne lange Transportwege versorgt werden kann. Die Herstellung von Automobilkomponenten ist ein Heimspiel für den Laser.

Eine typische Anwendungen ist  3-D-Schneiden von  pressgehärteter Teile. Beim Fügen dominieren Remoteschweißen, Schweißen und Löten von Karosserieteilen und Tiefschweißen von Getriebeteilen,. Auch Lasermarkieren von Leuchten und Schaltern im Armaturenbretter ist eine wichtige Anwendung

Globale Elektronik-Fabrik

Die chinesische Produktion von Konsumgüterelektronik  wuchs im letzten Jahr um 5,3 Prozent auf den Wert von 31,5 Milliarden US-Dollar; bis 2016 ist ein Zuwachs um 24,1 Prozent prognostiziert. Die wichtigsten Sparten sind Mobiltelefone, Notebooks und Fernseher. Auch hier kommt der Laser zum Einsatz: Punktschweißen von Handy- Gehäusen und Akkus, Schneiden von Glasdisplays, Markieren von Elektronikkomponenten wie Schaltern, sowie die Mikrobearbeitung von Chips.

Ein weiterer interessanter Markt in China sind Energieerzeugung und -verteilung: Neben Punktschweißlösungen und Lasermarkierung im Bereich elektrischer Komponenten wie Relais, Schutzschaltern und Batterien spielt der Laser in der Photovoltaik eine große Rolle: Hier kommt der Laser zum Einsatz, um bei kristallinen Solarzellen Kanten zu isolieren und bei Dünnschichtsolarzellen Ränder zu entschichten, Kontakte freizulegen und die einzelnen Module zu trennen.

Es gibt weitere, wachsende Branchen in China, die Laserbearbeitung nachfragen: Die Textilindustrie bleicht Jeansstoffe per Laser, die Verpackungsindustrie schneidet und perforiert; auch Medizintechnik, Schiffbau und Luftfahrt sind Kundenbranchen.

Laser, made in China

Soweit zu den Anwendern. Für die Laseranbieter gilt: Die Konkurrenz aus China wird schärfer. Die chinesischen Hersteller von Lasern und Lasersystemen holen technologisch auf und stoßen mit ihren Produkten schon in den Low-to-Mid-End-Bereich vor.

Branchenkenner wie David A. Belforte bezeichnen China heute schon als Hauptanwender industrieller Lasersysteme und schätzte die Marktgröße im Jahr 2011 auf zwei Milliarden US-Dollar. Auch wenn solche Markteinschätzungen weniger auf handfesten Fakten als auf Bauchgefühl beruhen ‑ fest steht, Chinas Märkte entwickeln sich rasant. Und ein notwendiges Werkzeug dazu ist der Laser.

Autor: Günther Weinmann, General Manager Lasertechnologie von TRUMPF China

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