„Laser sind das beste Mittel gegen Stillstand“

© Craig Ferguson

Taiwans Wirtschaftswunder ist auch ein Laserwunder. Dr. Fanghei Tsau, Generaldirektor am Forschungsinstitut ITRI, ist mit seinem Team an vorderster Front dabei.

Als das Industrial Technology Research Institute ITRI 1973 gegründet wurde, betrug Taiwans Bruttoinlandsprodukt ein paar hundert US-Dollar pro Kopf. Heute sind es 23 827 US-Dollar. Gibt es da einen Zusammenhang?

Ja, absolut. Das ITRI als gemeinnützige Organisation für technische Forschung und Entwicklung sollte von Beginn an helfen, Taiwans Industrie wettbewerbsfähig und nachhaltig zu machen beziehungsweise zu halten. Über die Jahre hinweg zogen wir mehr als 240 Unternehmen heran, darunter auch global führende, wie etwa die Halbleiterunternehmen TSMC und UMC. Über 140 CEOs der hiesigen Hightech-Industrie stammen aus unserem Hause. Taiwans Wirtschaftswunder der letzten Jahrzehnte bedeutet: Wir wandelten unsere einst arbeitsintensive Industrie um in eine wertschöpfungsbasierte, innovationsgetriebene Wirtschaft. Da haben wir hier am Forschungsinstitut unseren Anteil dran.

Über das ITRI

Das Industrial Technology Research Institute im taiwanischen Hsinchu ist ein öffentlich finanziertes Forschungs- und Entwicklungs­institut mit rund 6.000 Mitarbeitern. Zusammen mit Unternehmen entwickelt es Technologie­an­wendungen und deren Kommerzialisierung. Das ITRI forscht multidisziplinär in mehreren Feldern, unter anderem Lasertechnologie und Additive Manufacturing.

Wie wichtig ist Lasertechnologie für die taiwanische Wirtschaft?

Sehr wichtig. In all unseren bedeutenden Industriezweigen – Maschinenbau, Metallverarbeitung, Automotive und Luftfahrt – ist Lasertechnologie die Triebkraft für unsere Unternehmen gewesen, um Billiglohn-Konkurrenz loszuwerden und technischen Stillstand zu überwinden. Laser sind ein Schlüsselfaktor bei Innovationen intelligenter Fertigung für die nächsten 30 Jahre. Das denkt auch Apple und schrieb es gerade in einer Patentanmeldung. Apple ist übrigens ein wichtiger Produzent in Taiwan.

Woran liegt es, dass Laser ihrer Meinung nach ein Schlüsselfaktor in der Produktion sein werden?

Es gibt ganz offensichtlich mehrere Trends in der Fertigung: Multi-Task-Maschinen, höhere Produktionsgeschwindigkeit, mehr Masse und gleichzeitig mehr Individualisierung, Automatisierung und Diversifikation der Materialien. Dazu kommen die Megatrends wie Industrie 4.0, Internet der Dinge und intelligente, softwaregesteuerte Fertigungslinien. Da Lasertechnologie und Additive Manufacturing sozusagen von Natur aus digital und präzise sind, werden sie hier in jedem Falle eine sehr wichtige Rolle spielen.

Laser sind ein Schlüsselfaktor bei Innovationen intelligenter Fertigung – das sieht auch Apple so.

Welche Rolle spielt Additive Manufacturing in Taiwan?

Es wird immer wichtiger. Die taiwanische Regierung fördert stark die hiesige Luftfahrtindustrie. In unserer Luftfahrtbranche arbeiten rund 200 Unternehmen und generieren einen jährlichen Umsatz von etwa 3,3 Milliarden US-Dollar. Deren Interesse an Additive Manufacturing ist sehr groß, weil es ihnen bei ihren Problemen hilft: Kleinserienproduktion, Maßanfertigung, Gewichtsreduktion und komplexes Bauteildesign. Das ITRI ist hier vorne mit dabei: Wir stehen bereit, zusammen mit den Zulieferern an Materialbearbeitung und Komponentendesign zu arbeiten. Auf diese Weise schaffen Werte für die Wirtschaft und damit auch Werte für die gesamte Gesellschaft.

Nennen Sie uns ein Beispiel für Zusammenarbeit mit Unternehmen, bitte!

Dr. Fanghei Tsau, Generaldirektor des Laser & Additive Manufacturing Technology Centers am ITRI (Foto: Craig Ferguson)

Da gibt es natürlich viele: Wir halfen beispielsweise der Firma Tailift, einem Hersteller von Gabelstaplern, eine Maschine für Laserstrukturierung zu entwickeln. In den meisten Fällen geht es um Pilotproduktionen und um die Möglichkeit, Laserbearbeitung in die Fertigung zu integrieren. Was Additive Manufacturing angeht, engagieren wir uns sowohl bei Laser Metal Deposition wie auch im 3D-Druck. Neulich etwa unterstützten wir die Firmen Aurora und Tongtai, 3D-Druck einzuführen. Da haben wir Expertise was Legierungen, Pulverherstellung, Designanalyse, Laserbearbeitung, Nachbearbeitung und Software anbelangt.

Dieses Wissen hilft uns auch bei der Entwicklung von Medizintechnik und Gussformen für die Automobilindustrie. Bei LMD übrigens haben wir gerade mächtig aufgerüstet: Wir bieten unseren Kunden eine Versuchsplattform mit einem 6000-Watt-Scheibenlaser. Das ist einmalig in Taiwan! Wir haben sie kombiniert mit Roboterarmen und einer 5-Achs-CNC-Maschine. Darauf machen wir für unsere Kunden Arbeiten zur schnellen Fertigung von Gussformen, zur Reparatur von Oberflächendefekten und zu funktionalen Oberflächenbeschichtungen.

Was haben Sie in den kommenden Jahren vor?

Alle Indikatoren weisen darauf hin, dass der globale Markt für Laseranwendungen und Additive Manufacturing weiter sehr schnell wachsen wird. Taiwan erhofft sich davon – auch mit unserer Hilfe – neue, gute Arbeitsplätze. Bei Additive Manufacturing sehen wir uns hier sogar als Pioniere. Wir hoffen, diese Technologie breit in die hiesige Industrie streuen zu können. Wir wollen auch bei uns selbst mehr Personal einstellen. Ich arbeite daran, dass das Center ein gutes Sprungbrett für künftige Unternehmer wird und ein aufregender Arbeitsplatz für junge und ambitionierte Leute.  

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