Stunde der Erfinder

© Deutscher Zukunftspreis / Ansgar Pudenz

Prof. Ferdi Schüth, Vorsitzender der Jury des Deutschen Zukunftspreises, ist überzeugt, dass der Drang nach Ressourceneffizienz zum neuen Innovationstreiber in der Industrie wird.

„Sparen, sparen!“ So klingt es oft, wenn Politiker oder Umweltverbände zu Effizienz und geringerem Ressourcenverbrauch mahnen. Den gereckten Zeigefinger darf man sich dazu denken.

Dabei kann man Effizienz auch ganz anders betrachten: „Vorwärts, vorwärts!“ Denn auf dem Weg hin zu weniger Ressourceneinsatz ist Neugier ein viel besserer Antrieb als Entsagung, und „intelligente“ Produkte werden eher akzeptiert als Askese.

Begehrte, seltenere, teurere Rohstoffe

Ja, es stimmt: Wir stehen unter Druck. Die Rohstoffe werden begehrter und weniger zugleich; also teurer. Die Weltwirtschaftskrise ab 2008 bremste nur kurz den langfristigen Trend zu höheren Preisen, etwa von Rohöl. Sowohl einzelne Unternehmer als auch ganze Volkswirtschaften streben danach, sich von der Herrschaft der Rohstoffpreise zu befreien.

Auf dem Weg hin zu weniger Ressourceneinsatz ist Neugier ein viel besserer Antrieb als Entsagung.

Global gesehen ist eine entscheidende Herausforderung der Menschheit, zu klären, wie sie sich künftig mit Energie versorgen kann. Die Fragestellung ist facettenreich: Wie viel Energie benötigen wir? Wie stellen wir unsere Mobilität sicher? Welche Energiequellen können wir nutzen? Wie passen wir unsere Energieinfrastruktur an?

Wie die Antworten lauten werden, können wir heute höchstens erahnen. Woher die Antworten aber kommen werden — das wissen wir. Denn um das Energieproblem der Menschheit zu lösen, brauchen wir vor allem zweierlei: den eifrigen Entdeckergeist von Forschern und den geduldigen Willen von Ingenieuren, neue nützliche Produkte zu schaffen.

Ultrakurzpulslaser: Ein Idee spart doppelt

Das zeigt das Beispiel der Entwicklung des industriellen Ultrakurzpulslasers, den wir mit dem Deutschen Zukunftspreis 2013 ausgezeichnet haben. Hier lieferte die Uni Jena die theoretischen Modelle und die grundlegenden Experimente. Bosch entwickelte den Prozess, während TRUMPF die Anforderungen an eine industrietaugliche Strahlquelle umsetzte.

Der Ressourcenverbrauch sinkt hier gleich doppelt: Einerseits ermöglicht der Ultrakurzpulslaser die „kalte“, hoch präzise Bearbeitung der Werkstoffe und ist damit äußerst effizient. Andererseits sind nur so ressourcensparende Produkte wie etwa ein neuartiges Benzin-Direkteinspritzventil mit extrem feinen Spritzlöchern realisierbar. Deren glatte Wände und individuelle Geometrien sorgen dafür, dass Motoren 20 Prozent weniger Kraftstoff verbrauchen.

Knapp? Entkommen!

Wir befinden uns momentan in einem interessanten Übergang: Ressourcen- und Energieeffizienz versprechen zwar oft auch Kostensenkung. Sie avancieren aber zunehmend zu einem eigenständigen Kriterium sowohl in der Gesellschaft als auch für wirtschaftliche Entscheider.

Ganz sicher wird der Drang zu weniger Ressourcenverbrauch und mehr Energieeffizienz ein wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste Innovationstreiber der nächsten Jahrzehnte sein.

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