Willkommen in der Unendlichkeit!

© Remo Zehnder

Erst schneiden, dann schweißen: THE Machines sorgt mit einem Laser dafür, dass das Coil nie endet.

Wer zu Wolfgang Reith ins schweizerische Yvonand kommt, möchte vor allem eines: Zeit kaufen. Reith verspricht ihm dann, dass Coils niemals mehr enden werden, dass die Stanz- oder Rohrformmaschinen durchproduzieren können und nicht mehr neu eingefahren werden müssen. Kurz: wirklich endlose Endlosproduktion.

Dass man bei ihm Zeit kaufen könne, würde Reith nie so formulieren. Er sagt es lieber genau: „Meine Kunden kaufen sich die Möglichkeit, die Produktivität ihrer Produktionsanlage vollständig auszunutzen.“ Reith sticht hier heraus: Seine Mitarbeiter um ihn herum lassen ihr Schweizer Französisch lässig ineinanderfließen, er hingegen spricht glasklares Hochdeutsch und betont dabei jedes einzelne Wort.

Vor sieben Jahren verschlug es den gebürtigen Dortmunder in die Westschweiz zu THE Machines Yvonand SA; seit fünf Jahren führt er dort die Geschäfte. Dass Reith Genauigkeit liebt, merkt man nicht nur an seiner Wortwahl. Gerne zeigt und erklärt er, mit welch hoher Präzision seine Maschinen arbeiten.

Jetzt steht er vor der Querschweißanlage SLT, die das Versprechen der Endlosproduktion einlösen soll. Er zeigt auf die Bandführung. „Hier läuft das Coil durch die Querschweißanlage hindurch. Wenn die Sensoren der Abwickelanlage messen, dass das Coil dem Ende zugeht und nur noch 200 Meter im Bandspeicher sind, wird es ernst.“

Alles bereit zum Coil-Countdown

Die Maschinen in der hinteren Produktionskette ziehen stur weiter mit bis zu 100 Metern pro Minute. Der Bediener aktiviert den Speicher und das Coil stoppt: Jetzt liefert nur noch der Bandspeicher. Noch 150 Meter Band im Speicher.

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Die Querschweißanlage mit dem kompakten Faserlaser kann mobil eingesetzt werden. Foto | Remo Zehnder

Die SLT klemmt das Coil-Ende, ein Laserstrahl schneidet es zu. 120 Meter sind noch im Speicher. Der Bediener hat inzwischen das neue Coil eingefädelt. Das wird auch geklemmt und im gleichen Winkel geschnitten. Noch 80 Meter. Die Klemmbacken fahren zusammen und führen die berührungslos geschnittenen Coil-Enden aneinander; sie kreieren „einen perfekten Nullspalt“, wie Reith sagt.

Die Steuerung hat derweil die Laserparameter umgestellt und dieselbe Optik schweißt nun die Metallbänder aneinander. Noch 40 Meter im Speicher.

Die Klemmbacken öffnen sich wieder und nun rast das verlängerte Coil in den Speicher und weiter in die hintere Produktionslinie. Dort haben weder Mensch noch Maschine etwas davon mitbekommen. Für sie ist es, als ob das Coil niemals enden würde.

Mit Licht zum Nullspalt

Querschweißanlagen sind im Prinzip nichts Neues. Es gibt sie schon lange in Form von Scheren und TIG-Schweißern. Bei kleinen Banddicken unter 0,3 Millimetern allerdings verzieht sich das Blech beim Scherschneiden zu stark. Darunter leidet die Qualität der Naht. „Im Folgeprozess kann so eine Naht dann schnell reißen, da große Zugkräfte auf ihr lasten“, erklärt Reith.

Bei der THE-Maschine verhindern das exakte Zusammenspiel der Klemmbacken und der berührungslose Laserschnitt dieses Problem. „Bei den geschlossenen Klemmbacken haben wir eine Toleranz von gerade einmal 0,01 Millimetern auf einer Länge von bis zu 750 Millimetern Spannbreite. Der Laserstrahl schneidet völlig verzugsfrei und glatt. Mit einem mechanischen Scherschnitt bekämen wir den perfekten Nullspalt gar nicht hin.“

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Wolfgang Reith, Geschäftsführer von THE Machines, macht gerade die nächsten Aufträge klar. Zwei Großanlagen für Präzisionsrohre wurden kürzlich auf die Reise nach Osteuropa geschickt. Foto | Remo Zehnder

Das zweite Problem der konventionellen Querschweißanlagen ist, dass die TIG-Schweißung Einbrände an der Naht verursacht, die im Folgeprozess häufig Schwierigkeiten machen. „Zudem sind TIG-Nähte oft härter als das Grundmaterial. Speziell bei Stanzapplikationen können diese Verhärtungen die Werkzeuge beschädigen.“

Zwei Tricks für mehr Zugfestigkeit

Reith hat noch zwei weitere, scheinbar einfache Tricks in petto, um die Zugkraftfestigkeit der Naht zu erhöhen: Die SLT schneidet und schweißt immer in einem Winkel von — je nach Modell — 15 bis 45 Grad. So wird die Naht länger und die Zugkräfte verteilen sich auf die Länge.

Das Unternehmen

THE Machines Yvonand SA mit Sitz in Yvonand in der französischen Schweiz gehört zur indischen Jain­Gruppe. Das Unternehmen hat zwei Hauptstandbeine: Schweiß­anlagen für sehr dünne und kleine Präzisionsrohre und Maschinen zur Herstellung von Kunststoffrohren zur Tropfbewässerung.

„Außerdem versuchen wir, immer einen Schweißfaktor größer eins zu produzieren. Das heißt: Die Naht ist dicker als das Band. Ohne Zusatzmaterial geht das nur, wenn man exakt schneidet und exakt im Nullspalt positioniert. Beim Schweißen dehnt sich das Band thermisch aus und drückt die flüssige Schmelze ineinander. Dadurch entsteht eine stabile Überhöhung.“

Weil die mit ihrer Form im weiteren Prozess jedoch oft stört, lässt sich die SLT mit einer Presse komplettieren. Diese drückt die Naht gleich nach dem Schweißen wieder auf die ursprüngliche Banddicke zusammen.

„Mit Licht aus dem Faserlaser vom Typ TruFiber und der Positionierung durch die Klemmbacken können wir die Coils zugkraftfest und homogen verbinden. Die Naht ist zwar sichtbar, aber das Band hat die Eigenschaften eines jungfräulichen, nie geschweißten Coils — als ob nie eine Querschweißung stattgefunden hätte.“

Unsere Kunden kaufen sich die Möglichkeit, ihre Produktivität vollständig auszunutzen.Wolfgang Reith, Geschäftsführer THE Machines Yvonand

Die THE-Anlage schafft standardmäßig Banddicken von 1,2 bis runter zu 0,05 Millimetern — das ist nur wenig dicker als Alufolie zum Verpacken von Lebensmitteln. Werden andere Banddicken gewünscht, ist auch das oft drin.

Abschied von der verlorenen Zeit

Reiths Kunden haben alle denselben Wunsch: Sie wollen ihre Produktionsanlage nicht anhalten. „Bei der Herstellung aller Arten von Rohren ist das produktionsbedingt — die brauchen immer Zug. Auch bei anschließenden Stanzprozessen kann Endlosproduktion sinnvoll sein. Ich habe Kunden, die stanzen tausend elektrische Kontakte pro Minute. Wenn die ein neues Coil in ihr komplexes Stanz-werkzeug einführen müssen, geht das nur Hub für Hub in bis zu 90 Schritten. Das dauert eine halbe Stunde, je nach Coil-Länge sechsmal am Tag! Die SLT schafft hier also täglich drei Stunden zusätzliche Produktionszeit: Das macht 180.000 Teile mehr pro Tag!“

Ursprünglich wurde die SLT als fester Bestandteil für Rohrschweißanlagen entwickelt. Zwischen den Querschweißungen liegen immer rund drei bis vier Stunden. Das brachte Reith auf die Idee, die SLT als mobile Anlage zu konzipieren. „Dadurch können Kunden mit mehreren Linien ihre Produktion so abstimmen, dass die SLT immer dort hingefahren wird, wo man sie gerade braucht. Dann reicht ihnen eine einzige Maschine. Praktisch war das aber erst möglich, als die neue Generation der TRUMPF Faserlaser so kompakt wurde.“

Die SLT-Familie schneidet und schweißt eine riesige Palette an Metallen und Legierungen: Kupfer, Bronze, Aluminium, Edelstähle, Bimetalle, goldbeschichtete Bänder und „sämtliche Feld-, Wald- und Wiesenmetalle — alles mit derselben Optik“. Reith erklärt mit überzeugter Stimme: „Schneiden und Schweißen muss berührungslos stattfinden. Meine Kunden bestätigen mir oft, dass das die richtige Herangehensweise ist.“

Wenn Reiths Kunden dann wieder im Auto sitzen und Yvonand verlassen, wissen sie, dass sie aus der bislang verlorenen Zeit bald Geld machen können.

Kontakt

Wolfgang Reith
E-Mail: reith.w@the.machine.ch
Tel.: +41 (0)244 23 50 50

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