„Laser gestalten unsere Zukunft“

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Dr. Shuang Liu (28) hat sich in ihrem Studium auf Laser­material­bearbeitung spezialisiert. Wir wollten wissen, was sie zum Licht zieht.

Frau Liu, benutzen Sie in Ihrem Alltag eigentlich einen Laserpointer?

Ja, und der kommt regelmäßig zum Einsatz.

Für die erste Generation der Lasertechniker in den 70er- und 80er- Jahren hatte der Laser etwas Magisches. Können Sie das nachvollziehen?

Absolut. Der Laser hat wirklich etwas Magisches. Ich denke jedoch, dass er für meine Generation eher ein Arbeitsgerät ist, das aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Fast jeder Automobilhersteller arbeitet mit dem Lichtwerkzeug und beinahe jedes Smartphone-Display wurde von einem Laser zugeschnitten. Die erste Lasergeneration konzentrierte sich noch auf einen kleineren Anwendungsbereich. Das lag vor allem daran, dass der Laser sehr teuer und wenig erforscht war. Da haben wir heutzutage bessere Voraussetzungen — vor allem was den Wissensstand und die Zugänglichkeit anbelangt.

Ist es unumgänglich, Lasertechnik im Geburtsland des Lasers zu studieren? Oder was machte für Sie den Reiz aus, von China nach Amerika zu gehen?

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Shuang Liu promovierte über Laserauftragsschweißmethoden und experimentierte dabei mit verschiedenen Pulverinjektionen. (Foto | David Jackson)

Ich sah den Umzug nach Dallas nicht nur als Herausforderung, sondern auch als eine große Chance, mein Leben zu verändern. Während meines dreijährigen Maschinenbau-Masterstudiums an der Suzhou University hatte ich bereits erste Berührungen mit der Lasermaterialbearbeitung. Dabei wurde mir klar, dass Laser unsere Zukunft gestalten werden. Dieser Gedanke faszinierte mich so sehr, dass ich noch tiefer in die Lasertechnologie eintauchen wollte. Und dafür ist das Geburtsland des Lasers doch ein guter Ausgangspunkt!

Mit welchem Fachgebiet beschäftigten Sie sich in Ihrer Dissertation?

Mein Forschungsschwerpunkt lag auf dem Laserauftragschweißen, dem Laserschweißen sowie der schnellen Prototypenerstellung und der Laser-Entlackung. In meiner Dissertation untersuchte ich zwei unterschiedliche Laserauftragschweißmethoden und führte experimentelle Untersuchungen mit Pulverinjektionen durch. Um die beiden Verfahren miteinander zu vergleichen, beobachtete ich das Pulverzuführungsverhalten und das thermische Verhalten des Schmelzbandes. Das Auftragschweißen ist eine wichtige Applikation in der Industrie, um Oberflächen zu optimieren. Dabei spielt der Schutz gegen Verschleiß, Korrosion oder enorme Hitze eine große Rolle.

Ich denke, dass das Laserschweißen immer wettbewerbsfähiger werden wird und vielerorts das Lichtbogenschweißen ablöst.

Was war das Besondere an Ihrer Promotion?

Ich hatte einen hervorragenden Doktorvater, Prof. Radovan Kovacevic. Er unterstützte mich, wo er konnte, und zeigte mir, dass es nicht nur auf die Forschung ankommt: Wir lernten von ihm, diszipliniert zu arbeiten, Durchhaltevermögen zu entwickeln und zielstrebig unsere Arbeit voranzutreiben. Schließlich ist eine Promotion eine ziemlich einsame Angelegenheit: Man erforscht ein Gebiet, über das kaum etwas bekannt ist. So spannend das ist, so frustrierend kann es manchmal sein. Deshalb war es umso schöner, nach so langer und harter Forschungsarbeit meine Urkunde in den Händen zu halten.

Stichwort Einsamkeit: Als die Lasertechnik noch jung war, fühlten sich die Anwender als Teil einer Community — auch wenn sie an äußerst unterschiedlichen Dingen arbeiteten. Gibt es diese Art der Zusammengehörigkeit nach wie vor?

Ja klar. Ich glaube sogar, dass diese Community noch stärker zusammengewachsen ist. Der Austausch wird besonders durch internationale Laser-Konferenzen oder -Tagungen verstärkt.

Was überzeugte Sie selbst, Laser-Ingenieurin zu werden?

Nach sieben Jahren in der Forschung war ich neugierig auf die Arbeit in der Industrie. Ich kannte bis dahin fast nur das wissenschaftliche Arbeiten am Campus. Zufällig habe ich mitbekommen, dass Miller Electric eine Laser-Ingenieurin suchte. Daraufhin habe ich mich um diese Stelle beworben und bekam sie.

Ihre Firma ist spezialisiert auf das Lichtbogenschweißen. Welche Rolle wird der Laser in Zukunft spielen?

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Die junge Ingenieurin wechselte nach sieben Jahren Studium und Forschung in die Industrie und entwickelt nun bei Miller Electric Automatisierungslösungen für Schweißaufgaben. (Foto | David Jackson)

Ich denke, dass das Laserschweißen die Schweißmethode von morgen sein wird. Nach und nach wird der Laser das Lichtbogenschweißen ablösen. Der Laser schweißt perfekte Nähte mit minimalem Wärmeeintrag, und das bei konstanter Qualität — da wird das Lichtbogenschweißen künftig nicht mithalten können.

Sie sind seit fast einem Jahr in Ihrem Beruf tätig. Woran arbeiten Sie im Moment?

Derzeit treiben wir die Laser-Sparte bei Miller Electric voran. Als Spezialist im Lichtbogenschweißen wollen wir uns natürlich weiterentwickeln. Dabei unterstützt uns auch die ITW-Gruppe. Wenn ein Kunde Interesse am Laserschweißen hat, demonstrieren wir ihm in unserem Laserlabor die hohe Präzision des Lichtwerkzeugs. Anschließend entwickeln wir in regem Austausch eine auf den Kunden zugeschnittene automatisierte Gesamtlösung. Der eigentliche Schweißvorgang ist innerhalb der komplexen Automation dann nur noch Mittel zum Zweck.

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