Hello, Mr. President

© Foto | Kameron Bayne Images

Wenn es eine internationale Laser Community gibt, verkörpert sie Prof. Yongfeng Lu. Mit uns sprach er über alles - außer seiner Präsidentschaft beim Laser Institute of America.

Sie sind um die ganze Welt gereist. Gibt es Ihrer Meinung nach so etwas wie eine internationale Community der Laseranwender?

Ja, und ich glaube, dass die Community durch die Globalisierung der Branche noch wachsen wird. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl kann man auf Konferenzen und Tagungen erleben. Wir können nicht alleine arbeiten und erweitern unsere Gemeinschaft ständig, damit sich Schnittstellen mit dem weltweiten Technologieumfeld bilden. Wir sprechen viele verschiedene Landessprachen; aber als Laserprofis verbindet uns dann doch eine gemeinsame Fachsprache.

Mehr zum Thema
yongfeng-lu-berthold-leibinger-innovationspreis-2000

Damals im Jahr 2000: Prof. Yongfeng Lu mit Tochter Monica. In seinen Händen: der Berthold Leibinger-Innovationspreis.

Leben

Nach dem Bachelor in China, dem Master und PhD in Japan und Forschung in Singapur ging Dr. Lu an die University of Nebraska. Er verfasste über 550 Artikel und Tagungsbeiträge zu Nanowerkstoffen, Spektroskopie und Nanofabrikation.

Laser

Während seines Bachelor­ Studiengangs in China arbeitete Dr. Lu an einem Projekt zum Laserhärten mit. Das Ziel war es, Schäden an Halbleitermaterialien zu verringern. Diese Arbeit weckte das Interesse von Dr. Lu an Laseranwendungen.

Leistung

Von seinen vielen professionellen Auszeichnungen hält Dr. Lu seinen Berthold Leibinger Innovationspreis — den er im Jahr 2000 für seine Arbeit in der Lasermikrobearbeitung an der National University of Singapore gewann — für die wichtigste.

Sie haben diese Fachsprache zuerst in Ihrem Heimatland China gelernt und dann in Japan ausgebaut. Wie kam das zustande?

Es handelte sich um ein Austauschprogramm und ich dachte, es wäre für mich eine gute Erfahrung. Ich war ein großer Fan japanischer Filme aus den 70er- und 80er-Jahren. Ich identifizierte mich mit dem dort gezeigten Übergang von der traditi-onellen zur modernen Gesellschaft. Dieses vertraute Gefühl gab mir die Zuversicht, nach Japan zu ziehen.

president-Laser-Institute-America-Yongfeng-Lu

China, Japan, Singapur, USA: Prof. Yongfeng Lu lebte und arbeitete bereits an vielen Orten. In Nebraska ist er angekommen – weil die Menschen dort offen sind und die Zusammenarbeit mit den Kollegen unkompliziert.

Haben Sie einen Kulturschock erlebt?

In China waren Laser als Hightechprodukte noch selten. Auch die Uni-Labore konnten sich nur wenige Laser leisten, die außerdem noch von Spezialisten bedient werden mussten. In Japan konnten sogar Studenten Laser und andere Hightechgeräte benutzen.

Für mich war es natürlich ein Schock, zu erkennen, wie viel effizienter und fortgeschrittener die Technologie in Japan war.

Sind damals viele Studenten von China nach Japan gekommen?

Nein, ich denke, die Sprachbarriere hat chinesische Studenten davon abgehalten. Vor meinem Umzug absolvierte ich neun Monate lang in Dalian, China, einen Intensivkurs in Japanisch. Das beschäftigte mich von sechs Uhr morgens bis um Mitternacht. Am Ende konnte ich auf Japanisch kommunizieren und Lehrbücher lesen.

Was hat Sie wohl mehr verändert: der Umzug von China nach Japan oder der von Japan in die USA?

Vergessen Sie nicht meinen Aufenthalt in Singapur dazwischen, der mich sehr beeinflusste. Industrie und Forschung sind in Singapur eng verflochten und stark auf die Fertigung ausgerichtet.

Als Professor arbeitete ich für Unternehmen, die sich mit Laseranwendungen für die Elektronik- und Computerindusrie beschäftigten und die Forschung eher als Dienstleistung betrachteten. Wir waren stets bestrebt, den Marktbedarf zu verstehen. Durch meinen ersten Auslandsaufenthalt in Japan fühlte ich mich als Teil der Welt und nicht als Teil einer Randzone. Ich wurde auf jeden Fall aufgeschlossener.

Ich denke aber, mein Umzug von Japan und Singapur in die USA war der größte Wendepunkt. Die japanische Gesellschaft war sehr ho mogen. Wenn man nicht in der Kultur aufgewachsen ist, ist das Leben schon recht schwierig.

Die amerikanische Gesellschaft ist viel offener. Der Austausch ist hier leichter. Man kann sich auch selbst verwirklichen.

Die Menschen auf der ganzen Welt träumen von Kalifornien oder New York oder auch New England. Aber Sie ließen sich in Nebraska nieder.

Nebraska ist ein großartiger Ort, um zu arbeiten und zu leben. Ich kam, weil ich Interesse an der Arbeit eines bestimmten Professors hatte, der sich auf Nanotechnologie und Laser spezialisierte hatte, und ich wusste bald zu schätzen, wie unkompliziert, freundlich und einfach die Zusammenarbeit mit den Menschen hier ist.

Außerdem — auch wenn es nicht so wichtig erscheint — mag ich es, ein Haus zu haben und den Rasen zu mähen. Ich genieße den amerikanischen Lebensstil und verbringe viel Zeit mit meiner Frau und meinen zwei Kindern. Meine Familie ist mit mir um die Welt gereist. Jetzt sind wir aber zu 100 Prozent Nebraskaner.

Yonfeng-Lu-lia-president

„Wir sprechen viele verschiedene Landessprachen; aber als Laser-Profis verbindet uns eine gemeinsame Fachsprache.“

Haben Sie nicht manchmal trotzdem Heimweh nach China?

Ich halte immer noch Verbindungen zu meiner Heimat aufrecht. Es ist sehr einfach für mich, mit den Menschen in China zu kommunizieren, und es gibt dort viel Forschung und Entwicklung. Ich arbeite mit chinesischen Universitäten zusammen und bringe auch Studenten hierher zum Studium.

Worin unterscheiden sich die Erfahrungen dieser Studenten von Ihren Erfahrungen?

In China haben wir viel aus Lehrbüchern gelernt. Andererseits konnten wir uns das Forschungsgebiet selbst aussuchen. In Japan war das Labor sehr gut strukturiert und es gab klare Vorgaben bei der Forschung.

Die Forschungsatmosphäre in China ähnelt mittlerweile der in den USA vorherrschenden Zweckgebundenheit. Die Forschung ist hier sehr wettbewerbsorientiert. Man macht schnell praktische Erfahrungen und den amerikanischen Studenten fällt der Weg ins Berufsleben leicht. Das hat aber den Nachteil, dass die Zeit fehlt, auf eigene Faust zu experimentieren.

Wenn wir den Luxus hätten, unseren eigenen Ideen nachzugehen, würden wir vielleicht andere oder überraschende Ergebnisse bekommen.

Zurzeit arbeiten Sie an Diamantbeschichtungen.

So kann man es ausdrücken. Wir produzieren nanostrukturierte Werkstoffe aus Kohlenstoff, da gehört auch Diamant dazu. Wir beschichten mithilfe eines Lasers Oberflächen mit einer Diamantschicht, etwa um ihre thermischen Eigenschaften zu verbessern oder um sie vor Verschleiß zu schützen.

Wir kultivieren Nanozwiebeln zur Verwendung als Zusatz für Motoröle, um so die Lebensdauer von Motoren und die Kraftstoffeffizienz zu verbes sern. Wir arbeiten an Verfahren zur Nanofabrikation und an optischer Spektroskopie zur Werkstoffanalyse.

Eine bahnbrechende Anwendung nutzt Laser, um Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung aufzuzeigen. Damit kann man beispielsweise normale Zellen von Krebszellen unterscheiden.

In diesem Video erklärt Prof. Yongfeng Lu, wie seine Nanozwiebeln unser Leben verbessern können (englisch).

Was macht Laser für Sie so nützlich?

Laser bieten uns Flexibilität für eine breite Palette von Anwendungen. So verwenden wir verschiedene Wellenlängen und Laserleistungen, um passende Bedingungen zur Kontrolle von Nanomaterialien zu schaffen.

Laser eignen sich besser als chemische Reaktionen zur Steuerung des Wachstums von Nanoröhrchen, die von vielen Forschern genutzt werden. Wir möchten gerne Laser zur Verbesserung der Kultivierung und Anordnung der Nanoröhren nutzen, damit wir sie in Schaltkreise und Geräte integrieren können.

Besonders mag ich, dass Laser in der Lage sind, Energiestrahlen unter normalen atmosphärischen Bedingungen zu erzeugen. Die Strahlen lassen sich dadurch einfacher handhaben als etwa Ionen- und Elektronenstrahlen, die ein Vakuum erfordern.

Welche Wirkung erhoffen Sie sich von Ihrer Arbeit für die Menschen auf dieser Welt?

Mein Ziel ist es, Nanostrukturen einfacher, kostengünstiger und für breitere Kreise herstellen zu können, ohne dazu auf teure Spezialausrüstung zurückgreifen zu müssen.

Ich würde auch sehr gerne für meine Bemühungen um die internationale Zusammenarbeit und die verbesserte Einbindung von Technologie in Erinnerung bleiben.

Ich hoffe, dass die verschiedenen Länder voneinander lernen können, um ihre Forschung effizienter zu gestalten. Das würde mich schon sehr glücklich machen.

Ansprechpartner
Prof. Yongfeng Lu
Telefon: 402 472 8323
E-Mail: ylu@unl.edu

Bitte füllen Sie folgende Felder aus: Kommentar, Name & E-Mail-Adresse (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht).